Die Rumtreiber


Oktober 25, 2009

Schafe und Kühe in Horden: Von Bluff in Richtung Norden

Abgelegt unter: In ca. 80 Tagen von Bluff nach Picton — Nils-&-Babs @ 9:54 pm

… so lang … also genauer gesagt soooooooo lang ist es her. Der letzte Lebensbeweis einer Reise quer durch Neuseeland und Australien. Unserer Reise.

Das wird ab jetzt geändert. Nicht das es still geworden wäre um die Rumtreiber … ich musste nur einmal meinen Komfortbereich verlassen und wieder etwas schreiben. Mal sehen, wo waren wir. Im Jahre 2008. Es ist Oktober und während sich die Nordhalbkugel auf Herbst, bunte Blätter und das erste Weihnachtsgebäck im Supermarkt freut, reisen zwei am anderen Ende der Welt dem Frühling entgegen. Ich erinnere mich noch als wäre es letztes Jahr gewesen … der Vorhang hebt sich, die Lichter werden gedimmt und es kommt zum Vorschein … eine lauwarme Geschichte. Psssst, es geht los!

Bestimmt hat jeder schon mal bemerkt, dass einige Mitspieler beim Kartenspielen manchmal nicht ganz nach den Regeln spielen. Auf neudeutsch nennen wir das bluffen. Aber nicht nur Kartenspieler bluffen. Politiker tun es, Großindustrielle, Du und Ich. In Neuseeland tuen es vorzugsweise Stadtplaner. In einem geschickten Coup aus dem Jahre 1902 hatten sich 13 Schafsfarmer zusammen geschlossen, um für ihre Ländereien Stadtrechte zu bekommen. Dies war die Geburtsstunde der Stadt Reggahspeehs. Damit wollten sie sich nicht nur das Recht auf die Bierbrauerei sichern, sondern außerdem die umliegenden Milchfarmen eingemeinden, Steuervergünstigungen erhalten und Ansichtskarten drucken lassen. Der Schwindel flog erst 6 Jahre später auf, als die sogenannte Stadt bereits ein gut florierendes Tourismusgeschäft betrieb und sich die Bevölkerung um mehr als 400 % erhöht hatte. Daher beschloss man passender Weise, den Namen der Stadt in Bluff zu ändern.

Natürlich könnte ich mir diese Erzählung hier auch ausgedacht haben, um eine abgedroschene Geschichte zum kleinen Städtchen Bluff aufzutischen … wer weiß. Ein kleiner Restzweifel besteht also.

Wie jede südlichste, westlichste, östlichste oder nördlichste Stadt dieser Welt hat natürlich auch Bluff zwei Dinge. Einen super Ausblick auf das südlichste, westlichste, östlichste oder nördlichste Ende einer Landmasse und … einen Wegweiser den man als Hobby-Ballonfahrer nutzen kann um seiner Weltumrundung zu starten.

Der Ausblick bei Bluff

Von Bluff in die Welt

Die südlichste Stadt Neuseeland hat aber durchaus noch mehr zu bieten. Wind nämlich. Zur Illustration hier einmal zwei verschiedene windschnittige Frisuren. Als Model treten auf eine Gruppe Bäume und ich selbst. Damit es nicht zu Verwechslungen kommt, möchte ich betonen, dass mein Bild das Linke ist.

Frisur: Wind von rechts

Frisur: Wind von links

Wir verlassen Bluff in Richtung Catlins. Dabei begegnen wir ein paar Kälbern mit ihren Müttern auf einem Nachmittagsspaziergang. Keine brenzelige Situation, aber denoch schaut unser kleiner Aufpasser, unser Äffchen vorn rechts im Bild, besorgt zu mir herüber. Ich kann ihn beruhigen und wir können unseren Weg fortsetzen. Um alle Fragen von vorn herein aus dem Weg zu räumen: Ja, wir betrachten ein kleines Spielzeugäffchen als Teil unserer Gruppe. Immerhin ist er klein, sauber und sehr anspruchslos. Vor allem aber habe ich ihn aus einer Kinderüberaschung bekommen. Und irgendwie bekomme ich sonst immer nur diesen blöden Bastelkram …

Cows on the run

Familienspaziergang

Die Catlins begrüßen uns in üppigem Grün. Nicht schlecht, denn das passt zu unserem Roten Baron. Wir sind zu einer für uns sehr frühmorgentlichen Zeit bereits unterwegs um heute endlich einen Spaziergang am Slope Point zu unternehmen. Lange schon haben wir das vor. Auch Gelegenheiten hätte es wohl gegeben. Aber wir haben es uns aufgehoben, für diesen, heutigen Tag. Als wir allerdings am Anfang des Weges ankommen, werden wir vom streng militanten weißen Block aufgehalten. Lämmern. Es ist die Zeit der kleinen frischen Lämmchen und wir dürfen sie nicht stören beim … nunja … beim glücklich auf die Welt kommen. Sollen sie womöglich eine unbeschwerte Kindheit genießen bevor sie dann nach nur wenigen glücklichen Monaten auf Erden zu einem herzaften Lammgericht werden? Hier ist also kein Weiterkommen. Wir fahren weiter in Richtung Osten und beschließen nocheinmal, in Zukunft nie wieder ein Lammgericht zu essen, nachdem uns bei Betrachtung der Kleinen nur Wörter ohne jeglichen Sinn, aber dafür mit einem dezenten Modegeschmack einfallen (”Gucci-Gucci-Gu”).

Der weiße Block

Zumindest ein Ausblick: Slope Point

Als zweiten Stop haben wir uns einige, sagen wir mal Wasserfälle, ausgesucht. Einer davon trägt sogar den trefflichen Namen “Niagara Falls”. Meine These hierzu ist, dass der Entdecker dieser sub-gigantischen Fälle einen Freund hatte, der wiederum eine Tante hatte, die irgendwo in der Zeitung mal was über die echten Niagarafälle gelesen hatte. Somit kannte er den Namen, assozierte ihn mit gigantischen Wassermassen und benannte das soeben neu entdeckte Sturtzbächlein. Warum sie ihm so gigantisch vorkamen? Wahrscheinlich weil er mit dem Wort gigantisch nicht vertraut war. Das passiert einem als Mann schon mal.

Nein … das sind sie noch nicht

Wunderbar! Die Niagara Falls

Zu unserm Glück liegt der kleine Wasserfall direkt am Grundstück eines Farmers. Und dessen Hund sorgt garantiert dafür, dass man nicht allzu gelangweilt aus der Sache heraus kommt. Fröhlich kommt er uns mit seinen Freunden entgegen, mit dem typischen Zeichen des freundlichen Hundes … dem Wackelschwanz und den gefletschten Zähnen. Wir entschließen uns schweren Herzens zur fluchtartigen Weiterfahrt. Nach so viel überwältigenden Eindrücken war der Nugget Point genau das Richtige. Ein Zuhause für Pelzrobben, Seelöwen, Gelbaugen Pinguine und vielleicht auch rote Kleintransporter.

Nugget Point

Nugget Point 2

Auch am Nugget Point werden wir nicht viel wandern, denn auch hier regiert das Schafsregiment. Nicht so schlimm, denn es lockt uns die Nostalgie weit vergangener Tage (wenn nicht so gar Wochen). Eine kurze Reise in unsere alte “Heimatstadt” Dunedin. Wir wollen zwei Freunde, Kris und Sara, dort besuchen. Ich freue mich dabei besonders auf den kleinen Mo. Einen jungen Jack-Russel. Ich kannte ihn bereits als Baby-Hund und wollte einfach nur sehen, ob er bereits feste Nahrung bekommt. Ich will nur hoffen, dass inzwischen nicht nur Roadkill, zu deutsch überfahrene Possums, auf seinem täglichen Hundsespeiseplan steht.

Bevor der kleine jedoch Gassi mit uns gehen kann, muss der Hobbygärtner in jedem von uns überglücklich gestimmt werden. Der Frühling hält Einzug und das ist immerhin Zeit für ein ganz besonderes Schauspiel. Die Rhododendren-Blüte im botanischen Garten von Dunedin.

Bestäubungshelfer bei der Arbeit

Oktober Glocken

Rhododendren

Die Blumentante

Wir beobachten am anderen Ende des Parks wie die Rugbymanschaft der Universität von Dunedin ein kunstvoll choreografiertes Tanzstück einübt. Wahrscheinlich ist wieder einmal ein Semester erfolgreich geschafft, und zwar ohne allzu große Verluste von wichtiger Gehirnmasse beim allwöchentlichen Komasaufen. Natürlich zeigt dieser Tanz dem geübten Beobachter noch viel mehr. Nämlich das allseits gegenwärtige schottische Erbe der Stadt. Schottenröcke und Karomuster sind hier die bestimmenden Merkmale. Zurecht, denn immerhin rühmt man sich als schottischste Stadt Neuseelands. An dieser Stelle möchte ich die Gelegenheit ergreifen und Hamburg zur schottischsten Stadt Deutschlands ausrufen.

Lange Rede langer Sinn, wir entschlossen uns, während dieser Erkenntnis durchtränkten Minuten, zum Besuch des ältesten und ja, man muss es schon dazu sagen, einzigen schottischen Schlosses Neuseelands. Dem Larnach Castle. Erdacht und gebaut von
William James Mudie Larnach, oder wie seine Freunde stets zu sagen pflegten, Muddi (zu deutsch etwa “Matschi”, nicht zu verwechseln mit einem Thüringer SPD Minister). Stilvoll gelegen auf der wunderschönen Otago-Halbinsel birgt das Schloss nicht nur Geschichte und alte Möbel, sondern schöne Gärten, viel Ausblick und das Gefühl, für wenige Minuten in die schottische Lebensweise einzutauchen. Das fängt schon am Tor zum Grundstück an, wenn ein netter Herr im kleinen Häuschen einem das letzte Geld aus der Tasche zieht. Diese Schotten … Natürlich handelt es sich hierbei nur um das Eintrittsgeld, eine edele Spende zur Erhaltung des Schlosses. Keine Frage, aus Kostengründen wird es heute Abend Nudeln geben (mal wieder). Aber höchstens eine Woche!

Ausblick nach Erstürmung der Burg

Otago Harbour und die Halbinsel

Durch die Gärten bis ans Meer

Larnach Castle

Und um das Bild des schottischen Dunedin noch ein wenig abzurunden, haben wir auch endlich unsere lang aufgeschobene Stadt-und-Foto-Tour gemacht. Vorbei an den Plätzen und Gebäuden die für kurze Zeit zu unserer Heimatstadt gehörten. Vorbei am zentralsten Dreh-und Angelpunkt der Stadt, dem Octagon, sowie dem altmodischen Bahngebäude.

The Octagon

Dunedin Railway Station

Dunedin Railway Station 2

Die Zeit bei Sara und Kris ging leider viel zu schnell zu Ende. Nur wenige Tage bleiben uns, da wir uns dem Norden der Südinsel nähern wollen. Wir wollen zwei Freunde in Picton abholen und da wir Meister im Zu-Spät-Kommen sind, will unsere Weiterreise gut geplant sein. Doch die wenige Zeit nutzen wir. Pizza, Speight’s Bier und Mo. Jeden Tag ein kleiner Ausflug an unseren Lieblingsstadtstrand, St. Clair. Bei diesen Gelegenheiten mussten wir zweifelsfrei feststellen, dass ein kleiner Hund wie Mo das perfekte modische Accessoire für uns beide ist. Beim Dogwalk am Strand hätten wir sicher auch bei New Zealands Next Top Model eine gute Figur im Outdoor-Kleidungsbereich gemacht. Nils trägt eine Jeans, eine Fleecepulli und Mo’T-Couture, während Babs das ganze Bild mit einer abgelebten Tasche abrundet.

St. Clair City Beach

Die neue Mo’T-Couture

Auch als Frauenvariante sehr reizvoll

Pfähle die die Welt bedeuten, unser Dogwalk

Wir verlassen Dunedin schweren Herzens in Richtung Norden. Wir wollen ein paar Freunde in Wanaka verabschieden und in Queenstown Burger essen. Der Fergburger macht nun einmal süchtig. Und um noch etwas Neues zu erkunden, fahren wir einen kleinen Umweg nach Poolburn. Eine weitere Mittelerde-Expedition. Was soll man tun? Die führen uns nunmal zu einigen der schönsten Juwelen Neuseelands. Zum Glück habe ich mein Babs-GPS dabei.

Der Fahrer …

und sein Babs-GPS

Ein seltener Blick in unser Fahrkabinenchaos. Unsere Route ist bestimmt durch ländliche Eintracht. Abgeschiedenheit, kleine Farmen und großes, weites Land. Eigentlich will man sich Zeit nehmen und alle 5 Minuten anhalten, die Farmershunde begrüßen und einfach nur dasitzen. Aber wie so häufig zieht etwas Regen und Schnee auf und wir halten nur dann an, wenn die Strecke nicht zu matschig ist. Ich habe beschlossen, ich kann Babs das häufige Anschieben des Roten Barons einfach nicht zumuten.

Der Weg nach Poolburn

Am Ende erwartet uns ein kleiner See. Rückzugsgebiet, Ferienort und Schauplatz der Herr der Ringe Verfilmung. Sogar ein kleines Café findet sich unter den kleinen Hütten. Doch um diese Jahreszeit ist niemand da und so streunen wir ein wenig umher, genießen die Stille, den Wind und die Spiele von Licht und Schatten. Ja, ich gebe es zu. Auch ich könnte mir hier eine kleine Hütte bauen, angeln gehen und versuchen, als Konkurenzcafé dem anderen Laden die Kundschaft abzugraben. Ich würde meine berühmten Pancakes anbieten und … ach es wäre schön. Nur wie kann ich Babs überzeugen? Gedanken dazu mache ich mir besser auf dem längeren Weg nach Queenstown. Es fängt mal wieder an zu schneien. Der Baron und Babs rufen. Ich komm ja schon! Machs gut kleines Café, ich komme wieder. Dann aber mit Pfannekuchen im Gepäck!

Die Gegend um Poolburn

Zukünftiger Standort des “Petit Café du Nils”

Die Nacht haben wir im wunderschönen Twelve-Mile-Delta verbracht. Da wir mal wieder im Dunkeln angekommen sind, hat uns der morgendliche Anblick wie schon so häufig direkt umgehauen. Zum Glück in unsere Warehouse-Klappstühle. Trotz einem 10 Dollar Preis halten die immer noch durch. Supi, ich gewöhne mich wahrscheinlich so daran, dass wir in Deutschland so etwas im Wohnbereich anschaffen werden.

Nahender Frühling, schneebedeckte Berge, was will man mehr, wenn der morgentlich Kaffee im Blechbecher die Hände wärmt. Auch haben die in Neuseeland allgegenwärtigen gelben Büsche wieder zu blühen begonnen. Mein persönlicher Favorit, wenn es um Lufterfrischung geht. Die Freunde riechen nach Kokos und sehen überall gut aus.

Frühstück im Twelve-Mile-Delta

Die Natur erwacht

Wir fühlen uns heute abenteuerlich und so ist es nicht verwunderlich, dass wir unsern heutigen Adrenalinstoß beim Bungee-Jumping abholen. Natürlich springen wir nicht selber. Da würde ja das Müsli wieder den Rückwärtsgang einlegen. Wir schauen zu und stellen uns dabei diverse unglückliche Ausgänge der Sprünge vor. Das reicht fürs Erste. Die heute älteste Springerin bekommt schon seit längerer Zeit Rente und muss sich nicht über verlorene Jahre ärgern, wenn etwas schief gehen sollte. Nach dem Sprung sind alle Anzeichen von Falten verschwunden. So machen die das hier also! Kein Wunder bei den Preisen für Schönheitsoperationen. Wir halten einen kurzen Plausch nach ihrem Sprung, aber auch dieses Mal hören wir nur: “Super, Schön, muss man mal machen, besser als Sex, Tschüssi”. Wenn das besser als Sex sein soll, dann ist es auf jeden Fall ein noch kürzeres Vergnügen als bei jemanden, der im Bett ein wahrer Schnellstarter ist.

Adieu schnöde Welt!

Besser als Sex? Ein Sprung in eisklates Wasser???

Diesen tiefgreifenden Erkenntnissen folgen ein paar Tage Wanaka. Wieder ein Abschied und der Versuch endlich den Rob-Roy-Track zu laufen. Das scheitert dieses Mal aber nicht an der Einstellung, sondern an der vom Schmelzwasser übervollen Furt.

Ich schaue mir die tiefe Furt an, dann den Roten Baron, dann wieder die Furt und dann Babs. Kann ich sie womöglich zu Fuß vorschicken, um die wahre Tiefe zu testen? Aber just in diesem Moment fährt ein Allrader an uns vorbei. Nun kennen wir nicht nur die Tiefe, nein wir wissen vom Geröll, den großen Steinen und wir wissen auch das selbst der Allrad-Jeep Probleme hatte. Bleibt uns nur ein kleines Picknick zu veranstalten und den sonnigen Tag zu genießen.

Als kleiner Trost bleibt uns außerdem, das Hugh Jackman vor nicht allzu langer Zeit auch hier war, um seinen Film Wolverine zu drehen. Im fertigen Film haben wir sogar die kleine Straße wiedererkannt. Wenigsten wird uns das nun immer an dieses Picknick erinnern. Ob Hugh wohl auch hier picknicken musste, weil er nicht durch die Furt kam? Wir werden es wohl nie erfahren.

Von Wanaka …

… bis fast zum Rob-Roy-Track

Ein perfekter Platz für ein Picknick

Zurück nach Wanaka und auf nach Norden!

Bis zum nächsten Mal, die Rumtreiber

Mai 5, 2009

Wandern bis zum Umfallen? Gerne! Der Humpridge Track.

Abgelegt unter: Frühlingsgefühle — Nils-&-Babs @ 2:53 am

Der Süden ruft. Die passende Straße hierzu ist auch schnell gefunden und wir sagen auf Wiedersehen Te Anau. Immerhin wollen wir uns fürs erste nach Invercargill durchrollen. Auf dem Weg in diese Großstadt des Südens machen wir Halt im kleinen Örtchen Tuatapere und in Riverton.

Der Süden macht Muh!

Die beschauliche Küstenregion ist ziemlich menschenleer, dafür rau und windgeprüft. Kein Wunder, dass hier auch die Bäume so aussehen, als seien sie vom besten Hair-Stylisten Neuseelands persönlich geglättet worden.

Waschen, Fönen, Legen

Rauhe Küsten

In Tuatapere nächtigen wir auf einem kleinen Campingplatz bei einem älteren Herren. Dieser ist wohl über die Jahre genauso brummig geworden, wie es die See an der Südküste ist, doch macht das letztlich nicht viel aus. Denn da sich sein Mund nur einen Millimeter weit beim Sprechen öffnet, verstehen wir sowieso nur den Preis der Übernachtung und das er den Laden hier alleine schmeißt. Wer hätte das gedacht.

Wir beschließen eine Runde am Strand spazieren zu gehen, bevor es dunkel wird. In unserem Almanach, dem Straßenatlas, entdecken wir, dass es sich bei dem Strandweg um einen Teil eines größeren Weges handelt. Und da wir generell leicht verloren gehen, beschließen wir uns ein paar Broschüren zum Weg zu besorgen. Dabei landen wir dieses Mal nicht in einem DOC Büro, sondern beim Verein des Humpridge Tracks. Ein dicklicher Herr begrüßt uns am Eingang. Es stellt sich heraus, dass er einer der „Gründerväter“ des Wanderweges ist. Von Anfang an war er dabei und hat dabei so einige Meter des Weges mit bloßen Händen dem wilden Untergrund entrissen. Vielleicht hat er aber auch einen Bagger benutzt.

Er erzählt uns, dass man natürlich am Strand spazieren gehen kann. Allerdings will er wissen, ob wir nicht schon einmal über einen längeren Weg nachgedacht hätten. Den Humpridge Track. Drei Tage, 52 Kilometer (plus ein paar Kilometern extra da die Straße unpassierbar ist, plus Rundwege etc.) ein gehöriger Anstieg und … wunderschön. Er ist nicht nur freundlich, geradezu schwärmerisch, sondern einfach überzeugend. Wie? Er zeigt uns Bilder. Das klappt natürlich immer bei einer Landschaft die aussieht, als wäre sie gemalt. Halbe Preise gäbe es außerdem für die Hütten, da es immer noch Winter ist. Dafür bringt man alles was man braucht selbst mit, hat keine Heizung oder ähnliches, Wasserleitungen können schon mal zufrieren und das Wetter ist in diesen Tagen nicht unbedingt verlässlich. Allerdings wären wir die einzigen auf dem Weg und hätten die sonst vollen Schlafsäle für uns. Kein Anderer hat sich auf diesem sonst so beliebten Weg für die kommenden Tage angemeldet.

Wir buchen. Keine Ahnung warum, aber wir haben das Gefühl das einen beschleicht, wenn man gerade vom Marktschreier zurück kommt mit zwei Tüten voller Obst und einigen Topfpflanzen, obwohl man eigentlich nur ein Fischbrötchen kaufen wollte.

Erstaunlicherweise hatte Babs ganz zu Anfang unserer Reise diesen Wanderweg schon einmal im Reiseführer markiert. Dieser Plan wurde jedoch schnell verworfen, nachdem dann zu lesen war, es handele sich um einen schwierigeren Weg der einiges an Fitness und Strapazierfähigkeit voraus setzt. Das erfahre ich jetzt … Aber der Mann war doch so freundlich, der würde uns nie mehr zutrauen als wir tatsächlich können … oder?!

Wir haben zwei Tage Zeit uns vorzubereiten. Zeit zum einkaufen. Trockenessen, Trockenobst, Nüsse und was weiß ich sonst noch. Hauptsache der Name „Trocken“ kommt darin vor. Zwei Tage später sitzen wir in der selben Campingküche beim selben grummeligen Besitzer in Tuatapere. Wir packen alles ein was wichtig sein könnte. Außerhalb der Zivilisation sollte man besser alles dabei haben was man einmal brauchen könnte. Notfallasurüstung, Essen, Gaskocher, Schlafsäcke, diverse Klamotten für alle Lebenslagen, Insektenabwehr und … die Liste ist lang.

Wo mieten wir unseren Packesel?!

Der Morgen beginnt früh. Immerhin müssen wir einige Kilometer extra laufen, denn die Zufahrtsstraße zum Track ist vom Meer weg gespült worden. Das ist aber verständlich, da man die Straße einen Meter neben dem Meer platziert hatte. Alles in allem werden wir wohl so ca. XX Kilometer laufen bzw. 9 bis 10 Stunden. Wir parken den Roten auf einer Wiese am Ende der befahrbaren Stecke und müssen feststellen: Alle guten Parkplätze auf dem Kies sind bereits von einer Gruppe Pfadfinder belegt, die sich bereits auf dem Track befinden und morgen wieder kommen. Die Pfadfindergruppe macht hier übrigens ihre Feuertaufe. Wer diesen Weg übersteht wird aufgenommen. Und so erwächst mein neuer Antrieb für die nächsten drei Tage. Wenn es diese Pfadfinderneulinge schaffen … , schaffen wir das auch (ehrlich, die sind doch noch so jung!). So wohl ist uns nicht beim Gedanken, den Baron hier zu lassen. Der Himmel verspricht nichts Gutes und zum Meer ist es auch nur ein paar Schritte. Er wird schon auf sich aufpassen. Als Wegfahrsperre werden einfach ein paar alte Socken auf dem Lenkrad ausgebreitet.

Die „Extakilometerchen“ sind relativ schnell überwunden. Ein Kiesweg windet sich zum Grundstück eines Bauern und dem Beginn des eigentlichen Weges. Gut gelaunt winken wir Bauers Kühen zu, als wir sie passieren, stets mit dem Gedanken, dass diese Kühe den Weg sicher leichter bewältigen würden als wir.

Der Blick zurück zum „Parkplatz“

So strahlen nur Menschen die nicht wissen was kommt

Unsere ersten Kilometer führen uns am Strand entlang in Richtung unseres heutigen Ziels. Der „Ridge“, dem Bergrücken den wir erklimmen werden. Mehr als 900 Meter Anstieg liegen noch vor uns. Aber daran denken wir jetzt nicht. Unser Riesenrucksack mit gefühlten 100 kg wird uns schon früh genug in die Realität zurück holen.

Im Hintergrund wartet das letzte Stück Zivilisation: Saisonale Fischerhütten

Der Blick zurück. Der Baron ist weit außer Sicht

Unser Ziel: Der dunkele Bergrücken, die Humpridge

Die zweibeinigen blauen Deuterwerbeplakate legen los

Schließlich erfüllen die grauen Wattewölkchen ihr Versprechen und regnen auf uns herab. Die Straßen auf dem Weg zum Wald ähneln somit vielmehr kleinen Flüssen als Straßen. Und was machen die Wandermaxe? Die wollen natürlich ihre kleinen schönen Sonntagswanderschuhe nicht nass machen. Ein umständliches probieren am Wegesrand beginnt, welches nicht selten trotzdem im Wasser endet. Einige feuchte Socken später betreten wir den Wald über eine der vielen Drahtseilbrücken des Wanderweges.

Pfützenspringen

Lass dich nicht hängen!

Von nun an heißt es Wald, Wald, Wald. Mal auf Brettern und mal entlang der kleinen orangefarbenen Dreiecke.

Wandern leicht gemacht

Wir suchen Dreiecke

Durstig ist der Wandersmann und so ist es nicht verwunderlich das ich meinen kleinen blauen drei Liter Wasserschlauch schnell leer getrunken hab. Das Trinken lenkt mich gut von dem ganzen Gelaufe ab und immerhin kommt ja auch laut unserer Karte bald eine Auffüllstation für Trinkwasser. Babs verlässt sich nicht so leichtfertig darauf und hat noch genügend Wasser im Säckle. Wunderbar. Denn die Auffüllstation ist ein rostiger blauer Eimer an einem Strick über einem Fluss in der Tiefe. Was solls, ich schöpfe. Um die Sache spannender zu gestalten, hat der Eimer Löcher. Es wäre aber auch wirklich nicht schön gewesen, so leicht zum Ziel zu gelangen.

Die Auffüllstation

Ich angele mir einen Liter

Ab jetzt steigt der Weg erheblich an. Wir ziehen uns an Wurzeln in die Höhe, versuchen nicht mit dem Rucksack hängen zu bleiben und sehen ansonsten nur grün. Die meiste Zeit verbringt man damit auf den Boden zu schauen, um den Weg fortzusetzen. Vor lauter Bäumen beginne ich mich zu fragen, wer solche Wanderungen wirklich schön findet. Stunden über Stunden werden die Kilometer erlaufen. Und als Belohnung sieht man Bäume und Boden. Das ist ja ganz schön, nur eben nach 7 Stunden Eintönigkeit will man … mehr. Zum Glück können wir uns nur schlecht verlieren, denn mit unseren blauen Rucksäcken fallen wir hier auf. Ich glaube auch das eine oder andere neidische Eichhörnchen gesehen zu haben.

Suchbild: Wo ist der Wald versteckt?

Und dann ist es soweit. Der Wald tut sich auf und die Sonne zeigt sich wieder. So unerwartet wie dieser Anblick kam (man schaut wie gesagt eben nur die ganze Zeit auf den Boden), umso schöner ist er. Vergessen sind die Strapazen, der Regen, das Dauergrün und der Dauerbodenanblick. Wir sehen zum ersten mal das gesamte Umland, den Kamm den wir morgen entlang hinab steigen werden und … einen Regenbogen.

Aus dem Grün in die Welt hinaus

Unsere Richtung für Tag Nr.2

Und endlich sehen wir auch nach ein paar weiteren Kilometern unsere Hütte für die heutige Nacht. Im Hintergrund zeichnet sich sogar unser Strandweg ab. Und da es noch hell ist und wir ja quasi am Ziel, kommt die Belohnung der Tagesetappe. Ein zusätzlicher einstündiger Rundweg auf der Spitze des Berges. Nach laufen, laufen und nochmals laufen also zur Entspannung etwas … laufen?! Kann es sein, dass die Rumtreiber da irgendetwas falsch machen? Nein, denn hier sehen wir viele der wundervollen Orte, Felsen und kleinen Wasserlöcher, die wir schon von den Bildern aus dem Büro weit weg in Tuatapere kennen.

Home Sweet Home

Unsere Rucksäcke haben wir an der Weggabelung zurück gelassen. Vielleicht kommt ja eine Bergziege und trägt sie schon mal runter zur Hütte. Der Himmel ist grau, durchbrochen von hellen Streifen, ein oft vergebenes, teils erfolgreiches Verlangen der Sonne, zu uns durchzudringen. Es regnet im Tal und auf den umliegenden Bergen und der Wind bläst uns ins Gesicht. Oder ist es Schnee?

Einer geht noch: Wir Rund-Wandern

Eine verborgene Welt über den Dächern des Waldes

Wir lächeln … wieder

Ist es ein Lächeln oder sind es die Fußschmerzen?!

Der Weg hat sich gelohnt. Eine völlig andere Welt scheint vor uns aufgegangen zu sein, nach dem langen Waldmarsch des Tages. Vergessen sind die vielen Kilometer und die langen Stunden, zehn waren es heute. Um der Dämmerung zuvor zu kommen, beschließen wir in der Hütte einzukehren. Keinen Augenblick zu früh. Bei betreten der Hütte verfinstert sich der Himmel und ein waschechter Schneesturm bricht los. Es Schneit wie es nur schneien kann, begleitet von mächtigem Pfeifen und Heulen (Babs und meines). Immerhin haben wir den ganzen Komplex für uns. Gemeinschaftsräume, Schlafsäle und Klo. Sonst Haus und Hof duzender Wanderleute.

Willkommen im Blizzard

Ohne Strom, Feuerholz und einem tosenden Schneegestöber vor der Tür will man nicht allzu lang wach bleiben. Also gehen wir zum Essen über. Es gibt Tee, eine Nudelsuppe als Vorspeise, gefolgt von Lammfettuchine im Hauptgang und einen Marsriegel zum Nachtisch. Was will man mehr.

Wir fragen uns, ob der Schneesturm aufhören wird bevor der Schnee meterhoch liegt, die Sicht sich bessern wird und wir morgen früh den Weg ins Tal finden werden. Ich lese noch 5 Minuten während Babs neben mir bereits nur noch einen Zentimeter aus ihrem Schlafsack schaut und gemächlich einschlummert. Der Rest der Nacht ist vom Rattern des Windes untermalt. Um sechs Uhr morgens geht es aus dem Bett. Der Sturm hat sich gelegt und die Sicht klärt auf. Zeit für Kaffee und Haferbrei. Zum Glück haben wir unser Wasser für den Kaffee und unsere Trinkschläuche bereits am Abend aufgefüllt. Die Leitungen sind heute Morgen zugefroren.

Guten Morgen!

Es dämmert … eine neuer Wandertag

Unsere heutige Polarexpedition ist gut ausgestattet. Lange Fleece-Unterwäsche, Fleece-Pullover, die gute lange U-Hose, Merinosöckchen, Handschuhe, Regenhosen und ein Mützchen. Endlich kann einmal all das ausgepackt werden, was sonst nur im Rucksack von A nach B geschleppt wird. Das Endergebnis dieses Anziehmarathons kann sich sehen lassen. Wenn Babs oder ich nun ausrutschen hüpfen wir bestimmt einige Meter weiter wie ein Gummiball.

Heute tragen wir den ganzen Kleiderschrank

Wir verlassen unser 5-Sterne Resort

Wir folgen dem Weg zurück zur Kreuzung, an welcher wir unseren langsamen Abstieg über verschiedene kleinere Berge bis hin zum heutigen Ziel, einem verlassenen Holzfälleraußenposten direkt am Meer, beginnt.

Unser heutiger Weg

Babs, ein Schneezwerg auf Wanderschaft

Juhu, wir leben den Kontrast. Denn heute dürfen wir, im Gegensatz zu gestern, die meiste Zeit abwärts laufen. Hat man die Kniegelenke eines achtzigjährigen so wie ich, dann hört man diese nach spätestens 3 Stunden bergab Laufens quietschen wie die Tür des Plumpsklos auf unserem letzten Campingplatz.

Zum Glück habe ich mir ein Hightec-Knieschoner beim freundlichen Pharmazeuten in Invercargill besorgt. Aber wir wollen uns ja nicht beschweren. Irgendjemand hat hier oftmals kilometerlang Treppenstufen verlegt oder aus dem Fels gehauen. So kommen wir zumindest den wirklich steilen Passagen herunter, ohne ins Rollen zu verfallen.

Es geht abwärts, ich lächele trotzdem noch

Ein Waldwanderweg

Der Himmel verspricht wieder einmal „bestes“ Wetter

Ob Schleichwerbung im Spiel ist? Egal, wir vertrauen auf Deuter

In der Zwischenzeit suchen uns hin und wieder ein paar Schneeflocken heim und wir können einen Blick zurück auf unsere Strandstrecke vom Vortag bzw. die Heimstrecke für morgen sehen.

Schwerer Treffer von einer Schneeflocke (in NZ ca. so groß wie ein Fußball)

Unserer Vergangenheit und Zukunft. War das wirklich so weit?!

Pünktlich beim Erreichen der relativ ungeschützten Bergflanke setzt neben dem Schneefall auch wieder unser bester Kamerad ein, der Wind. Auch müssen wir feststellen es gibt sie noch. Die Wegabschnitte ohne irgendetwas. Man nennt es glaube ich ähhh … Natur eben. Genau. Enge Passagen, rutschig, gern mit Hanglage und Ausblick nach unten. Das haben wir uns gewünscht … so ungefähr jedenfalls.

Keine Viktory-Pose. Die Finger waren in dieser Stellung eingefroren

Na klar weiß ich wo es hier lang geht. (Männer fragen nie nach dem Weg)

Aber auch das war ein reiner Klax. Jedenfalls für Reinhold Messner. Wir erreichen einen niedrigeren Teil des Waldes. Hier hat es glücklicherweise nicht geschneit. Es gab Regen und nun … Schlamm (und natürlich auch immer noch etwas Regen).

Ein Gorilla im Nebel … bzw. Schlamm

Hier fehlen eindeutig unsere Gummistiefel

Mitten im Wald finden wir auch Martinas Kurve. Wer hätte diese hier vermutet? Der einzig Wegabschnitt mit Namen. Bitte schön.

Martinas Kurve

Schließlich erreichen wir ein weiteres Highlight unseres Weges. Die Überquerung mehrerer Holzviadukte aus der Zeit des Holzabbaus in dieser Region. Wir dürfen die restaurierten Gestelle belaufen und die Aussicht bewundern. Zwischen den einzelnen Viadukten liegt die alte Schienenstrecke über die sich der Holzzug bewegte. Die nächsten Stunden spielen wir also zweibeinige Eisenbahn. Das höchste Viadukt ist übrigens mehr als 100 Meter hoch. Herrlicher Ausblick. Hatte ich erwähnt, dass ich Höhenangst habe? Während sich Babs lebhaft an die Viadukte erinnert, sehe ich, wenn ich in Gedanken zurück gehe, eigentlich nur ihr Popöchen vor mir. Mein einziger Fixpunkt während der Überquerung.

Viadukt Nummer Eins

Wir fangen klein an

Tschu Tschu

Das große Viadukt

Ich sehe nur Babs Popöchen auf diesem Bild …

Wir sind inzwischen schon wieder mehr als acht Stunden unterwegs und haben die niedrigste Ebene erreicht. Auch unser Wald ändert sich mit erreichen der Küstenregion.

Wir folgen immer noch den Schienen

Sehr gut. Mehr Wasser

So manches Mal wird der Schlamm recht tief. Und um nicht vom Helikopter aus dem Morast gezogen werden zu müssen, klettern wir mehr schlecht als recht am Rand entlang. Als kleine Erkenntnis, diese Wanderung können wir nur jedem empfehlen: Folge nicht, nie, den Fußspuren anderer. Wenn wir das taten, war der Fuß verschwunden. Die Vermutung, dass es dem Vorgänger auch so gegangen sein muss, tröstet nur für einen kleinen Moment. Einfach in die Wasserpfützen laufen. Da ist wenigstens kein Schlamm drin.

Schlammspringer

Kurz vor erreichen der Küste steht sie da. Unsere Finka, unser Bungalow, unsere Bude mit Betten. Umrandet von lichtem Wald und nicht weit von der hier ursprünglich vorhandenen Holzfällersiedlung. Das alte Schulhaus steht sogar noch. Heute wird allerdings darin nur noch gelernt, wie es ist, in einem Drei-Etagen-Bett mit einer Horde anderer Wanderer zu schlafen, während im „Erdgeschoss“ deftiger Wandermannseintopf gekocht wird.. Allerdings erleben das nur jene, die diesen Weg nebst Übernachtung über das Department Of Conservation gebucht haben. Unser Feriendomizil hat sogar noch einige Gasflaschen gebunkert. Allerdings hinter verschlossenen Türen. „Sie haben den Sparpreis gebucht, also schließen wir alles weg, was die Deluxebucher bekommen“ Was solls, man kennt das ja vielleicht von der Buchung eines „Glückshotels“ in der Türkei.

Club Robinson … ist um die Ecke

Und da wir vom Laufen einfach nicht genug bekommen können, gehen wir die Erkundungsrunde. Auf den Spuren der alten Bewohner der Stadt. Weitab der Zivilisation verdienten sich hier erst harte Holzfäller und schließlich ganze Familien ihren Lebensunterhalt. Irgendwann lohnte sich das Geschäft und der Aufwand einfach nicht mehr. Das kleine Holzfällerdorf wurde zur Geisterstadt. Immerhin, eine Aufwertung mit Stadtrecht. Die Gebäude stehen natürlich nicht mehr, denn der Wald erkämpft sich seinen Boden schnell zurück. Aber mit etwas Phantasie sieht man beim betreten der verschiedenen Schauplätze alles wieder vor sich. Bei wenig Phantasie schaut man, so wie ich, einfach auf die Bilder. Wir tummeln uns noch ein wenig am Strand herum, befreit von jeglicher Rucksacklast (Memo an uns: Den Schürfwunden am Becken zu urteilen, haben wir wider Erwarten immer noch nicht die korrekte Einstellung für unseren Bauchgurt gefunden). Die erhofften Delphinschwärme die es hier gibt, bleiben leider heute aus. Schade.

Ein typischer Bootsanleger nach der Wirtschaftskrise

Wieder entdeckt: Meine Arme

Die gute alte Lore

Für Verstecken spielen reicht es also noch …

Etwas gebeutelt vom Tag kehren wir wieder im Resort ein. Gerade rechtzeitig für ein opulentes Mal. Heute empfiehlt der Chefkoch … Tee, Suppe, Käsebrot und vegetarische Pasta. Schon wieder Pasta. Ich hatte mich so auf Reis und Curry gefreut. Den ganzen langen Tag kreisten meine Gedanken darum: Essen. Denn daran muss ich denken, wenn ich ewig weit laufen muss. Und dann das. Babs hat aus versehen zweimal Trocken-Nudeln eingepackt. Immerhin, wir haben noch was zum naschen da. Puhhh …

Pasta al frutti di Maggi

Ein neuer Tag, ein neues Vergnügen. Es ist der dritte und letzte Tag unserer Wanderung. Zu jedermanns Freude hat das Wetter noch einmal marginal gewechselt. Der Regen ist heute gewürzt mit leichtem Hagel und der Wind hat an Intensität zugenommen. Juhu, wir wandern dem Sturm entgegen.

Neuer Tag, selbe Beschäftigung, andere Route

Heute können wir definitiv nicht so viele Bilder machen. Es regnet oft zu sehr oder wir wollen einfach weiter kommen. Durch den starken Wind knarren die Bäume hier im Wald, als ob auch sie die letzten Tage nur Pasta hatten. Zum Glück wissen die grünen Freunde, dass wir auch nur Pasta hatten und lassen uns in Ruhe. Nur unsere Wanderautobahn mochten sie nicht sonderlich und ließen sich einfach darauf fallen.

Mittendrin statt nur dabei

Der Himmel schaut grau durch die Baumkronen, als wir grußlos an den Bäumen vorbei humpeln. Drei Tage wandern fordern ihren Geschwindigkeitstribut. Ich laufe voran und gebe vor, Babs ein guter Führer durch das glitschige Terrain zu sein. Und das wo ich doch sonst nicht mal nach sechsmaligem passieren ein und derselben Route meinen Weg in der Großstadt finde …

Als ich über eine weiter Pfütze springe, wird plötzlich die Szenerie in blaues Blitzlicht getaucht. Ich drehe mich nach Babs um und vermute schon, sie steht fröhlich hinter mir, um Bilder des Weges zu machen. Doch als ich mich drehe passiert zweierlei. Nummer eins: Ich schaue Babs genau ins Gesicht, denn sie ist wider Erwarten genau hinter mir. Nummer zwei: Es ertönt ein wirklich markerschütternder Knall. Blitz und Donner haben ihren Weg zu uns gefunden. Wir stehen in einer Pfütze, triefend vor Nässe und nicht weit von uns schlug soeben ein Blitz ein. Und während ich mich mit meinem prähistorischen Männerverstand frage, was das alles zu bedeuten hat, zischt auch schon ein zweiter Blitz an mir vorbei. In diesem Falle ist es jedoch Babs. Vergessen sind ihre ein duzend Blasen, ihr Rücken und der Rucksack. Sie legt ein Tempo vor, dem ich nur schwer folgen kann. Und plötzlich fällt es mir wie Schuppen von den Augen. Dies muss die geheimnissvolle Kraftreserve sein, die jede Frau im Sommerschlussverkauf freizusetzen vermag. Ich konzentriere mich wieder auf etwas zu Essen und folge ihr.

Das Gewitter schwebt drohend über dem Wald und jede Passage im Freihen lässt uns unwohl fühlen … wenn da nicht noch der lange Strandabschnitt wäre. Zur Aufmunterung haben aber die Damen und Herren des Wanderweges am Rand das ein oder andere treffende Namensschild aufgestellt. Ob wir da irgendetwas deuten sollten? „Breakneck Creek“, der Genicksbruch Bach …

Breakneck Creek

Nach zwei weiteren Stündchen ist soweit. Wir verlassen den Wald, um die Strandpassage zu laufen. Babs signalisiert hier übrigens nicht das es ihr gut geht oder das sie die Wandersmaid mit den zwei schiefen Daumen ist, sondern sie fragt mich nach der Richtung. Ähhmmm, na da will ich mal wieder voran laufen.

Zwei halbe OK machen einen Ganzen

Eigentlich sollte gerade Ebbe sein. So steht es zumindest auf unserem Zeitplaner. Doch als wir den Strand betreten, schlagen uns die Wellen freudig entgegen. Wir wir später erfahren werden, hat das Unwetter auf hoher See,, welches gerade vorherrscht, den Wasserstand am Strand auf Höchststand gebracht. Und da hinter dem Strand oft eine Felswand oder undurchdringliche Gebüsche warten, können wir für den meisten Teil der Strecke keinen Umweg finden. Wir rennen einfach. Von Fels zu Fels, von Bucht zu Bucht. Manchmal geht das leicht und es ist nicht so schlimm mit den Wellen und manchmal … manchmal wird man einfach sehr nass. Kann man nach ein paar Stunden Dauerregen noch nasser werden? Ja.

Ja, da kommen wir gerade her

Ein entspanntes Stück …

… hört gerade auf

Wolken verhüllen die Humpridge Bergkette

Nach einem erneuten Intermezzo im Wald geht es schließlich ein letztes Mal hinaus zum Strand. Das Gewitter hat uns in Ruhe gelassen und schickt seine traurig grauen Wolken nur langsam hinter uns her. Der Versuch uns am Strand für die Nachwelt zu fotografieren, erfordert einige Versuche und endet oft mit der Flucht in die Büsche.

Warum schauen wir eigentlich immer zurück?

Versuch Nr. 12: Unser Strandfoto

Unser Fotoapparat sagt Auf Wiedersehen

Schließlich macht auch das letzte Akku schlapp und wir hören auf zu fotografieren. Wir erreichen den Bauernhof ohne Zwischenfälle und durch viele Gedanken an Essen. Die Straßen sind noch mehr überflutet als zwei Tage zuvor, doch muss man jetzt nicht wirklich aufpassen, dass man nasse Füße bekommt. Nur ein oder zwei Stellen sind metertief, wie unser kleines Messstöckchen verrät. Die umlaufen wir natürlich, man muss es ja nicht übertreiben (Würde als Schlagzeile aber vielleicht ankommen „Wanderer bei Wegesüberquerung ertrunken“).

Als wir die „Extrakilometerchen“ antreten (Verflucht seinen die Extrakilometerchen) denken wir zum ersten Mal seit Tagen über den Roten Baron nach. Hat er das Unwetter überstanden? Treibt er womöglich auf dem Meer? Haben die Socken als Wegfahrsperre ausgereicht?

Bei unserer Ankunft, Freude. Der Rote steht noch. Genau da wo wir ihn verlassen hatten. Auf einer alten, nassen Viehwiese. Die Wiese ist einem Schlammbecken gewichen. Verd****. Nach wiedereinmal 9 Stunden laufen, hatten wir schon angeregt über das Gefühl des „im Wagen-Sitzens“ geredet. Pedale treten und fortbewegen. Jetzt heißt es allerdings, frei kommen. Wir benutzen Holz, wir graben, wir stopfen, wir benutzen ausgefeilte Anfahrtaktiken. Das alles nützt uns genau für drei Meter. Weiter kommen wir nämlich nicht. Inzwischen bin ich voller Schlamm und Stroh (nicht fragen woher das Stroh kommt) und Babs hat sich die Seele aus dem Leib geschoben (ja na klar lasse ich gleichberechtigter Weise in unserer Beziehung die Frau schieben …) Der Bauer, der wahrscheinlich seit längerem von seinem Landsitz weiter oben genüsslich zugeschaut hat, fasst sich schließlich ein Herz und kommt mit seinem Allradtruck. Bei seiner Ankunft stellt er richtiger Weise fest: „You’re bloody bogged“ Er grinst. Wir sind schon die Siebten oder Achten, die er diese Woche von dieser Wiese zieht. Ja ja, diese ollen Touristen sage ich.

Es dauert nur einen kurzen Augenblick und wir sind frei. Auf nach Riverton. Duschen, Essen, Sitzen. Und natürlich wird während der Fahrt gejammert. Da haben wir uns schließlich den ganzen Tag drauf gefreut. Diesen Weg machen wir mal wieder … nur nicht in den nächsten, sagen wir fünf bis sechs Jahren. Und endlich stellt sich auch das Gefühl ein, dass uns der freundliche Herr aus dem Büro vor Tage angepriesen hatte: Das Gefühl, etwas geschafft zu haben.

Und nun, da dieser Weg bereits fast acht Monate hinter uns liegt, kann ich nur nochmals reflektieren (oh dieses Wort wollte ich schon immer mal schreiben) und sagen: Es war einer der schönsten Wanderungen, die wir in Neuseeland unternommen haben. Anstrengend, mit dem einen oder anderen Hindernis, jedem möglichen Wetter, aber eben doch … schön. Vielleicht würde mir der junge Mann, der an jenem ersten Tag den Wald vor lauter Bäumen nicht gesehen hat, widersprechen. Doch heute, hier im Trockenen, weit weg von Tuatapere und mit einer Tasse Tee in der Hand, tut er es nicht.

Bis die Tage,

die Rumtreiber

April 16, 2009

Besser als Radio: Der Mildford Sound

Abgelegt unter: Frühlingsgefühle — Nils-&-Babs @ 12:21 pm

Ein weiterer Ausflug ins Fjordland. Unser Ziel lautet Milford Sound. Klingt gut, schaut gut aus, wir fahren mal hin. Auf dem Weg nach Milford kommt man natürlich nicht um das kleine Örtchen Te Anau herum. Ein Zwischenstopp im herrlichsten Regenbruch. Doch der Frühling zeigt sich in seiner altrosa Pracht. Es blüht der … nunja, vielleicht ist es Flieder.

Te Anau

Ein Blossom Tree

Vorbei am Lake Te Anau gelangt man schließlich zu den Te Anau Downs. Von hier brechen jedes Jahr tausende beherzte Wanderer auf in Richtung Milford Sound, zum Wandern. Der Weg ist gerade nicht passierbar und der Winter hat sich noch einmal zurück gemeldet. Wir hatten uns schon Sorgen gemacht, da wir lange nichts von ihm gehört hatten. Willkommen also zurück Winter! Wir hoffen du machst es dir nicht allzu gemütlich.

Lake Te Anau

Lake Te Anau Downs

Nur wenige Kilometer weiter stoppt der Rote, um uns den Mirror Lake zu zeigen. Wahrscheinlich ist er in seinem Leben als Reisemobil schon sooft hier vorbei gekommen, dass er die Strecke im Schlaf kennt.

Der Mirror Lake

Ein Wald auf dem Weg ganz nach oben …

Wir steigen der Straße langsam empor. Natürlich im Baron und natürlich mit den gewohnten 10 km/h. So langsam kann man sagen, dass mich diese Fahrweise wirklich entspannt. Wenn man einfach nicht schneller kann, dann stört es nicht angehupt, bedrengt oder missbiligt zu werden. Ja verdammt, wir sind Urlauber! Wir bleiben nur etwas länger als die Meisten und fahren dafür nochmal eine Spur extralangsam. Mehr Zeit zum aus dem Fenster gucken, Butterbrote schmieren und … Fahren eben. Und endlich sehen wir auch einen Kea. Den einzigen (Berg-) Papageien Neuseelands. Wir dachten schon er existiert nur noch in Mythen und Geschichtsberichten der späten 90iger Jahre.

Ein Zuhause für Keas

Ein Kea

Bevor wir in das kleine Örtchen Milford Sound fahren, stoppen wir nocheinmal am Routeburn Track. Dieses Mal nähern wir uns von der “anderen” Seite. Vielleicht haben wir ja nach zwei halben Wanderungen, jeweils von zwei verschiedenen Seiten, dass Gefühl ihn fast ganz gelaufen zu sein??? Vielleicht aber auch nicht. Auf dem Weg zum Key Sumit kommen wir sogar am örtlichen
Matterhorn vorbei. Sofort macht sich der Hunger nach Toblerone bei mir breit.

… hoffentlich wartet oben ein Süßwarenhändler

Ganz klar, Wasser!

Auf dem Weg nach oben präsentiert unser erstes Model nebenbei die neu erworbenen Wanderrucksäcke. Voll mit drei Litern Wasser und ein paar Müsliriegeln. Außerdem würde man sich ohne irgendetwas zum Herumschleppen sicherlich nackt fühlen. Das wollen wir bei winterlichen Außentemperaturen natürlich vermeiden. Model Nummer Zwei zeigt stolz seinen … Apfel. Auch einen solchen sollte man immer dabei haben.

Haute Couture am Berghang

Berge mit Zuckerguß

Model Nr. 2

Allein im Walde

Als alte Zoologen und Naturforscher haben wir uns natürlich auch sofort an die Arbeit gemacht, die Gegend mit den Augen eines Wissenschaftlers zu betrachten. Wir sind ja immerhin auch eine Art Forschungsreisende … aber im Prinzip ist das ja heutzutage jeder. Immerhin konnten wir eine äußerst seltene Holzbodenschlange finden. Obendrein ein extralanges Prachtexemplar. Mein Versuch, Babs zum Verzehr von delikatem Baummoos zu überreden, ist jedoch leider nicht geglückt.

Forscher mit Holzbodenschlange

Am Ende unseres Ausflugs holt uns schließlich die Wahrheit wieder ein. Zwei halbe Wege sind doch kein Ganzer. Und so müssen wir Wohl oder Übel beim nächsten Mal den Routeburn komplett laufen. Vielleicht finden wir dann sogar eine noch größere Holzbodenschlange. Wir werden sehen.

Zeit zum Abstieg

Wo kommt denn nur der ganze Wald her …

Wenngleich schon viele Mitmenschen behaupteten, Licht am Ende des Tunnels gesehen zu haben, so können wir dies im Anbetracht des Homer Tunnels nicht behaupten. Dieser wurde anscheinend noch zur guten alten Zeit der Pioniere gebaut und dann im Zeitalter der Sanierung vergessen. Mit Spitzhacke und Schaufel wurde hier ein Durchgang in eine andere Welt gehauen. Einen Besen hatten sie anscheinend nicht mit dabei und so fahre ich um jedes Stückchen Geröll herum wie ein Busfahrer aus jedem x-beliebigen Krisengebiet.

… Licht am Anfang des Tunnels (sofern das Abblendlicht funktioniert)

Der Homer-Tunnel

Unser Lager beziehen wir heute unweit des Anlegers im Milford Sound. Ein kleiner Campingplatz, der Einzige hier, wird für die nächsten Tage unser Zuhause sein. Und da es gerade nicht regnet, erkunden wir die Gegend. Ein kleiner Kea lebt anscheinend auch hier und macht den Platz unsicher. Erfolgreich locke ich ihn mittels Kronkorken an. Ein verspielter kleiner Kerl. Als er damit anfängt, sämtliche Dinge an zu knabbern, die ihm in sein gefräßiges kleines Schnäbelchen kommen, locke ich ihn sicherheitshalber hinüber zu den Mietwagen. Sicher ist sicher. Unser Roter Baron soll auch morgen noch kraftvoll losfahren können. Und was die Mietwagen betrifft … die können das sicher ab.

Camping im Milford Sound

Unser “Hinterhof”

Unsere örtliche Wasserversorgung (Stadtwerke Milford)

Durch diese hohle Gasse werden sie kommen …

Eine Million Wässerchen scheinen das Land um uns zu durchströmen. Und ich glaube fest daran, dass wir sie alle besucht haben! Zumindest sind wir jedem Flusslauf entlang gesprungen, den wir finden konnten.

Fluß Nummer Eins

Nummer Zwei

Naja … wahscheinlich Fluß Nr. 274

Juhu, wir haben das ganze Set!

Aber warum kommt man eigentlich zum Milford Sound? Stimmt, so ziemlich genau wegen eines einzigen verwegenen Berges. Schmuckstück jedes neuseeländischen Postkartenständers und der Grund vieler tausend Touristen von Queenstown, viele Stunden im Bus auf dem Weg hierher zu verbringen: Der Mitre Peak, zu deutsch: Der mächtig gewaltige Stinker. Bei unserer Ankunft begrüßt er uns während der Ebbe. Aber genau so etwas erwartet man ja von einem Stinker. Und im Prinzip trägt hier auch eigentlich das Meer die Schuld.

Mitre Peak

Der mächtig gewaltige Stinker

Das schauen wir uns mal näher an, sagte der Mann am Nebentisch. Wir auch, denke ich und buche eine Tagestour im Fjord. Wenn wir schon mal da sind … Am nächsten Tag erwache ich mitten im Laufschritt und höre undeutlich Babsis Stimme, die mir zuflüstert: “Renn schon mal vor und halte das Schiff auf!” Hmmm das Schiff aufhalten … Klingt ganz nach einer Mission nach dem Geschmack eines alten Freiheitskämpfers. Leider fehlt mir die nötige Verbissenheit und ein Praktikum bei Greenpeace. Ich beschließe also einfach die Frau am Schalter mit Hundeblick anzuschauen und zu feixen. Ähhhh meine Freundin ist mal wieder spät dran. Ha, gut das ich beim Rennen immer etwas schneller bin, sonst würde ich wahrscheinlich jetzt Ärger bekommen. Unfassbar das wir selbst in Neuseeland immer noch zu spät dran sind. Das ändern wir … spätestens wenn wir wieder zurück in Deutschland sind … also vielleicht.

Wir cruisen …

Es geht ins Fjord!

Es folgen ein paar Impressionen der kleinen Spritztour. Erst jetzt kann ich auch mit völliger Gewissheit sagen, dass es in dem Moment indem Bild Nr. Zwei aufgenommen wurde, nicht wirklich geregnet hat. Hat sich doch der Kapitän heimlich unter einen Wasserfall geschmuggelt. Das nächste Mal halte ich das Schiff nicht auf, ich übernehme es! Dann werde ich die Leute unter einem größeren Wasserfall parken!

Steile Wände

Der Autor unterm Wasserfall (das wollte ich schon immer mal schreiben)

Auf der Suche nach Delfinen findet man …

Links vom Boot

Über viele Biegungen gleitet unser Schiffchen bis hinaus in die offene See. Um die Zeit zu überbrücken, serviert man sich selbst Kaffee und Tee. Um mich auf meine spätere Rolle als Kapitän schon einmal vorzubereiten, übe ich neben dem typischen Gesichtsausdruck auch schon mal das gleichzeitige Trinken aus zwei Kaffeetassen. Bei den Sparmaßnahmen der modernen Seefahrt, bleibt einfach keine Zeit mehr zum Schlafen.

Wir cruisen immer noch

Meine zweite Liebe  … die See *hust*

Bald schon Kapitän?

Kapitänsein (aus der Ich-Perspektive)

Am Rande der Bucht hat das Fuhrunternehmen freundlicherweise einige Robben aufgestellt, um uns die Fahrt noch schöner zu machen. Leider sehen wir dieses Mal keine Delphine. Man kann ja nicht alles haben … und somit bleibt nur noch, sich einen weiteren Kaffee zu machen und die Rückfahrt anzutreten.

Mein zukünftiger Schiffsmaat

Robbie die Robbe

Ein Wasserfall Deja-Vu

Zum Glück hab ich mein Mützchen auf

Ohne Umschweife zurück … natürlich nicht. Ein kleiner Stopp am hiesigen Aquarium muss schon drin sein. Ein tief in das Wasser herab gelassenes Bauwerk, zeigt uns was unter der Oberfläche verborgen liegt. Die auf dem Salzwasser aufliegende 10 cm starke Süßwasserschicht, hält einen großen Teil des Lichtes ab und ermöglicht somit Kreaturen der Tiefe etwas weiter oben zu wohnen. Nur das sie dabei begafft werden würden, hätten sie sich wahrscheinlich nicht erträumt. Ein ganz besonderer Freund ist die schwarze Koralle. Wenn man sie nicht auf Anhieb entdeckt, macht das nichts. Immerhin ist sie weiß. Ein Rundgang später befinden wir uns wieder auf der Oberfläche und dürfen uns den Mitre Peak nocheinmal aus einer anderen Perspektive anschauen.

Das Aquarium vom Milford Sound

Der Milford Sound von unten

Die seltene schwarze Koralle die lieber weiß ist

Machs gut Mitre Peak!

Am Tag der Rückreise werden wir mit fröhlichem Getrommel im Morgengrauen geweckt. Ganz klar, Regen. Kein Wunder, dass man es Morgengrauen nennt. Zeit den Rückweg anzutreten. Immerhin wälzen sich schon beträchtlich viele Tourbusse der Straße entlang. Wir wälzen uns einfach dazwischen durch und stoppen am Chasm. Ein tief eingeschnittener Fluss, umgeben von dichtem Farnwald. Mittendrin wir und ein paar weitere regenfeste Rumtreiber.

Farnwald

The Chasm

… am rauschenden Bach

Eine Regenwolke schleicht sicht an

Auf unserem Weg zum Auto konnten wir diesen armen verstörten Wanderer ausfindig machen. Wer angaben zu seiner Person hat, behält diese lieber für sich.

Ein Männlein im Regen

Wir machen uns lieber schnell auf den Weg, bevor wir noch weitere Halunken wie diesen treffen. Und keine Minute zu spät. Nach wenigen Metern auf der Straße bemerken wir, dass im Moment ein Rekordversuch im Gange ist. Die Berge um uns herum bersten vor kleiner Wasserfälle, Rinnsale und Flüsschen. Schöne Sache liebes Fremdenverkehrsamt.

Auf dem Rückweg

Flüsschenrekord

Natürlich fragt man sich auf dem Weg nach oben, zurück zum Homer-Tunnel, ob sich Regen nicht manches Mal in Schnee verwandelt. Immerhin hat hier ein Jeder seine Schneeketten dabei und die Wettervorhersage verheißt nichts Gutes.

Nicht für die Ewigkeit …

Wir verlassen den Tunnel und begegnen einer Flut Bremslichter. Die Leute haben panikartig überall auf und neben der Straße geparkt. Sie legen ihre Schneeketten an. 90 % Mietwagen garantieren ein ganz eigenes Schauspiel. Männergruppen, Frauengruppen und auch gemischte Teams machen sich ans Eingemachte. Die Schneeketten sind relativ schnell gefunden. Doch wie soll man diese anlegen. Steht leider nicht im Mietvertrag. Und so springt Papa aufgeregt ums Auto, während die Mama immer ein wenig vor bzw. zurück fährt. Kettenglieder fliegen, Reifen rutschen, ratlose Gesichter und Meinungsverschiedenheiten. Die Mädels im grünen Van vor uns, beschließen einfach die Sache auszusitzen. Würde ich ja auch machen, wenn es nicht gerade erst mit schneien angefangen hätte und kein Ende in Sicht ist. Und warum parken die gerade am Tunnel Aus- bzw. Eingang. Supi, ich muss irgendwie auf den Seitenstreifen. Kein Problem mit unseren in die Jahre gekommenen Sommerreifen. Der kleine gerupfte Kea am Straßenrand, scheint das Wetter aber auch nicht wirklich zu genießen.

Strubbel-Kea

Ich bin fast geneigt, in die Panik der anderen Autofahrer einzuschwingen, doch Babs hält mich davon ab. Nagut, dann mache ich das Nächstbeste. Aussteigen, Arme verschränken, besorgten Blick auflegen, Lage checken und ein Pläuschen mit dem Fahrer hinter mir führen. Herrlich. Männer im Schnee. Einer aus Thüringen, der andere aus Neuseeland. Die Achse der Verständigung. Wir philosophieren und kommen zu dem Schluss, dass wir warten sollten bis Familie A, die quer auf der Straße steht, weggefahren ist. Dann scheiden sich unsere Meinungen. Er sagt ohne Schneekette geht da nichts mehr, die Straße wird nicht gerade besser und ist recht steil. Ich wiederum sage, ich habe keine und muss ja schließlich runter. Wir schütteln Hände und ich setze den Baron im ersten Gang in Bewegung. Wir verstehen uns inzwischen blind und vertrauen einander. In Wirklichkeit habe ich mir natürlich fast in die Hose gemacht und musste immer wieder etwas Schokolade essen, um über die Runden zu kommen. Kaum bin ich losgefahren, folgen mir auch schon all jene, die ihre Schneeketten schon seit Stunden aufgezogen haben und warten das einer vor fährt. Wahrscheinlich folgen sie unserem roten Wagen aber auch nur, weil er rot ist. Zwei Schokoladen und einen Hosenwechsel später, erreichen wir das Ende der Abstiegspiste und kommen aus dem gröbsten heraus. Zurück nach Te Anau. Heißer Tee, eine Dusche und noch mehr Schokolade.

Geschafft, zurück nach Te Anau

Das machen wir mal wieder. In zwanzig bis dreißig Jahren. Da habe ich dann auch eine gute Versicherung und Schneeketten. Bestimmt.

Bis die Tage,

die Rumtreiber