Die Rumtreiber – Am anderen Ende der Welt


Juli 4, 2008

Willkommen in Erewhon

Category: Die Südalpen – Nils-&-Babs – 11:49 am

Erewhon ist nicht nur der Titel eines Romans von Samuel Butler, sondern die Bezeichnung eines weitläufigen Landstriches im Nirgendwo.

Erewhon

So ist auch der Name dieser Region entstanden, schlicht und einfach aus der Verdrehung des Wortes Nowhere. Sie besteht aus einem sehr weitläufigen Tal umrandet von den majestätischen Südalpen. Die nächste Stadt (Methven) ist ziemlich weit entfernt und den Weg hierhin bildet eine lange lange Schotterstraße.

Sie kam nicht von ungefähr unsere Reise hierher. Ich hatte mal wieder meinen Herr der Ringe location guide bemüht, um uns einen der landschaftlich schönsten Gegenden aus der Verfilmung zu nähern. Was man vielleicht als übertriebenes Fan-Verhalten bezeichnen könnte, hat uns bisher an viele Orte in Neuseeland geführt, die wir ohne unseren Filmführer wahrscheinlich nie gesehen hätten. Und das sagt sogar die Babs 😉

Unser Ziel für diese Folge also: Mount Sunday, eine Erhebung inmitten des weitläufigen Tals in Erewhon, bekannt geworden als Standort der Stadt Edoras im zweiten HDR Film.

Der Weg nach Erewhon

Erewhon aus der Ferne

In vielen Touri-Prospekten hatte ich schon davon gelesen. Für einige hundert Dollar kann man „mühelos“ bis zum Hügel gefahren werden, überquert dabei zwei Flüsse, läuft ein paar Meter, futtert ein Inklusiv-Mittagessen (ich schätze mal eine Wurstschnitte und ne Cola) und schießt fröhlich Bilder mit tollen Replikas aus dem Film.

Nix da. Selber hinfahren, Weidezäune überwinden, „mühevoll“ durch die Gegend laufen, die Flüsse zu Fuß überqueren, ohne Replikas der Filmrequisiten Bilder machen und erst bei der Rückkehr zum Van was essen, das natürlich vorher noch selber gekocht werden muss. Zum Abschluss dann die Nacht hier verbringen, unweit des „berühmten“ Hügels und am nächsten Tag von Bauers wuchtiger Jungmitarbeiterin über eine noch wildere Privatschotterstraße geleitet zu werden, um schließlich gegenüber von Helms Klamm baden zu gehen. Zu lange Sätze mit zu vielen Kommas? Fangen wir also nochmal bei den Weidezäunen an …

Eine geeignete Stelle zum Parken hatten wir gefunden. Etwas von der „Straße“ entfernt und an nicht ganz so riesigen Weidezäunen gelegen. Auf der Fahrt hierhin sind uns sowieso nur 2 Autos entgegen gekommen ( mehr als 70 km), wahrscheinlich hätte man auch auf der Straße direkt parken können. Von oben sieht der Weg zum Hügel ganz gut aus. Gras, ein paar Büsche, hier und da ne Kuh und ein paar kleine Flüsschen. Los gehts. Über den Zaun vorbei an Kuh Nummer eins bis zum ersten Fluß. Ein Grund zum Posen. Ab hier ging es dann mit unseren hochgekrempelten Hosen und Wasserschuhen vorwärts.

Ein Nils(pferd) am Fluß

Das (Tussok-) Gras im Tal war zu unserem Erstaunen etwas größer als angenommen. Aber auch das konnte uns jetzt nicht mehr aufhalten.

Hier sieht man das Graß vor lauter Halmen nicht

Der Weg durch Erewhon

Und wo werden Männer wieder zu Kindern? An Filmdrehorten natürlich. So auch in diesem Fall. Frisch, fromm, fröhlich, frei bin ich also mehrmals quer über den kleinen Berg geflitzt. Meine Begeisterung kannte keine Grenzen. Und nach meiner hundertsten Nachfage an Babs, ob sie es denn nicht auch wundervoll fände, fand ich „Ja, ganz nett hier“ einfach nicht ausreichend. Was solls, hätte sich Jude Law hier nackend herumgewälzt, wäre die Antwort sicher eine Andere gewesen. Der Ausblick zumindest, da stimmen wir beide zu, war es wert sich durch Kühe und Gras zu kämpfen.

King of the hill

Allein unter Bergen

Nachdem der geheiligte Filmboden zu Fuß ausgemessen war, hieß es schließlich: Aufbruch zum Van. Irgendwann muss man ja auch mal wieder gehen. Diesmal am Gras vorbei. Ein Weg den wir vorher irgendwie verpeilt hatten. Hier sieht man auch einmal Babs in ihrem angepassten Outfit. Lange Unterhose kombiniert mit kurzer Hose und gelber Einkaufstüte. Nur in einer solch ausgefuchsten Tarnung kann man es überhaupt wagen, sicher durch die neuseeländischen Lande zu wandern. Jeder Grundstückseigner würde denken, dass wir uns auf dem Weg vom Supermarkt zu unserer Finka in den Bergen verlaufen hätten. Ja ja ich weiß was ihr jetzt denkt, ganz schön trickreich die Zwei!

Babs mit Volltarnung

Der Rückweg

Unser neuer Weg erwies sich als äußerst gangbar. Allerdings wäre es kein Nils & Babs geplanter Weg ohne jegliches Hindernis. Anstelle von hohem Gras bot der Rückweg leicht verbreiterte Flüsschen. Nach der Höhlendurchquerung vergangener Tage ein Klax. Naja, zumindest in der Theorie. Das „Flüsschen“ war tiefer als angenommen und die Strömung diesmal spürbar. Ein wilkommener Anlaß für ein unfreiwilliges Bad. Zumindest die Kamera konnte ich trocken ans Ufer bringen. Letzter Blick zurück nach Edoras und dann schnurstraks auf zum Van.

Sieh an: Ein Fluß!

Der Blick zurück

Bei der Rückkehr zum Van mussten wir dann feststellen, dass sich eine nicht unbeachtliche Anzahl von Kuhhaufen verschiedener Größe um unser Heim für die heutige Nacht breitgemacht hatten. Wenn das mal nicht authentisch ist. Die nassen Klamotten wurden ausgezogen und gegen die Abendkleidung getauscht. Lange Unterhosen pur. So müsste man eigentlich auch mal in deutschen Landen im Freihen stehen, denke ich mir, bevor wir anfangen zu kochen. Chili con carne. Ein beliebtes Essen auch für Leute die ein Zelt für die Nacht teilen. Dieser Ort ist und bleibt für uns immer noch einer der Schönsten, auf unserer Reise durch das Land.

Abend in Edoras

Kurz vor dem Einschlafen gab es dann auch gleich noch einen Überaschungsbesuch. Der Van wackelt plötzlich aus heiterem Himmel und die Antenne am Dach schnippt fröhlich gegen das Blech. Doooiiiinooing. Ok, wir sind wieder so richtig wach. Erdbeben oder Abschleppdienst? Weder noch. Eine Kuh suchte sich unseren Van zum Kratzen ihres Rückens aus. Wie praktisch.

Der nächste Morgen bringt Nebel und erfrischende Morgenhygiene am Fluss.

Zähneputzen muss sein

Ein verwilderter Wasserhahn

Wir überlegen uns die Schotterstraße bis zum Ende zu fahren. Wir wollen die Kulisse für Helms Klamm von weitem sehen. Ein Problem ist, dass der Weg über das Privatgelände einer Farm führt. Gäste der Herr der Ringe Tour bezahlen, um darüber zu fahren. Aber fragen kostet ja bekanntlich nix, also auf zum Bauern. Der ist gerade außerhalb des Hauses. Und neben ihm seine junge Gehilfin. Wow. Ich steige aus um zu fragen, kann ihr aber immer nur auf die Beine schaun. Die sind breiter als meine zusammen. Sie lächelt und sagt, dass es kein Problem sei, wenn wir weiter fahren. Wir sollen nur schön die Tore schließen damit die Schafe nicht ausbüchsen. Sehr gut. Nun lässt der Bauer einen riesen Ochsen aus dem Stall. Geschätzte Größe: Riesig! Der perfekte Zeitpunkt für mich im Van zu verschwinden. Anscheinend hat auch der Ochse respekt vor ihren Beinen. Er lässt sich friedlich von ihr auf die Weide schaffen. Anschließend zeigt sie uns noch den Weg und fährt mit dem Traktor voraus. Der hat keine Bremse mehr und ist wohl schon zu Jugendzeiten meines Großvaters alt gewesen. Ein Spaß.

Die Straße durch die Farm

Am Ende wartet ein FLuß

Wir erreichen schließlich einen kleinen Fluß am Rande des Tals und geben uns dem Verlangen hin, in 3 Grad kaltem Wasser zu baden. Wo sonst hat man einen so türkis-blauen Pool ganz für sich allein, inmitten einer Landschaft die einen zum staunen bringt?

Wie ein Fisch[er] im Wasser …

Überwindung: 5 Minuten, Badezeit: 30 Sekunden

Ich wäre am liebsten noch ewig geblieben. Aber es gibt ja noch viel zu entdecken auf unserem Weg. Auf Wiedersehen also Erewhon. Vielleicht kommen wir ja mal wieder hier vorbei …

Auf Wiedersehen!

1 Kommentar »

  1. Ach man, ich werde neidisch und bekomme schon wieder fern weh. Ich möchte auch in einen 3°C blauen Fluss im nirgendwo springen. Bestimmt war das Wasser trinkbar?

    Comment by Bea — Juli 10, 2008 @ 2:34 pm

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